11.06.2007 - Selfish Brain: revolutionäre Theorie zur Entstehung von Adipositas

Das Gehirn ist sich selbst der nächste und könnte dadurch die Ursache verschiedener Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes mellitus und Anorexia nervosa sein

Das Gehirn ist sich selbst der nächste und könnte dadurch die Ursache verschiedener Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes mellitus und Anorexia nervosa sein. Das besagt eine neuartige Theorie, mit der sich Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen an der Lübecker Universität beschäftigen.

Bislang deuten die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen darauf hin, dass das Gehirn die Körpermasse steuert, indem es die Nahrungsaufnahme verändert. Einen Beleg hierfür liefert unter anderem das Hormon Leptin, das aus Fettgewebe und Muskelmasse stammt und dem Gehirn ein Feedback über die derzeitig im Organismus gespeicherte Energie liefert. Einige Beobachtungen stehen jedoch nicht in Einklang mit derzeitigen Erklärungsansätzen.

Die Lübecker Forschergruppe geht dagegen davon aus, dass für die Menge der Nahrungsaufnahme der Energiebedarf des Gehirns maßgeblich ist und eine Energiezuteilung an Muskulatur und Speichergewebe erst sekundär erfolgt. Zur Beschreibung dieses "selbstsüchtigen" Verhaltens des Gehirns führten Professor Achim Peter, Leiter der Forschergruppe, sein Stellvertreter Professor Ulrich Schweiger und der kanadische Physiologe Luc Pellerin den Begriff "Selfish-Brain-Theorie" ein. Das Gehirn hat zwei Möglichkeiten, seine Energieversorgung sicherzustellen. Dazu dienen zum einen Energieressourcen aus der Peripherie und zum anderen Nahrungsaufnahme.

Während im gesunden Körper zwischen Nahrungsverwertung, Konsum und Nahrungsbeschaffung ein Gleichgewicht bestehe, sei dieses System bei Übergewichtigen fehlerhaft. Nach Ansicht der Lübecker Forschergruppe sind aufgrund der Komplexität der Entstehung von Adipositas und Diabetes mellitus neue Therapieansätze notwendig, um das fehlerhaft programmierte Verhalten dauerhaft zu ändern.

Inwieweit die neuartige Theorie zur Adipositasentstehung sich durchsetzen kann, werden wissenschaftliche Studien in der Zukunft zeigen müssen. (Daniela Rösler, Diplom Oecotrophologin)

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