01.04.2006 - Erstes Handbuch zur "Blut-Hirn-Schranke erschienen

Checkpoint im Gehirn: Hochsensible Hirnfunktionen bleiben ungestört - Von den Grundlagen zur künstlichen Blut-Hirn-Schranke

Es gibt Hormone die im Magen-Darm-Trakt die Verdauung regeln, aber auch im Gehirn an der Plastizität ("Lernfähigkeit") der Synapsen beteiligt sind. Eine Schranke sorgt dafür, dass nichts unkontrolliert aus der Körperperipherie in den hochsensiblen Raum der Hirnfunktionen "überschwappt". Sie ist zugleich Checkpoint für Nährstoffe in und Abfallstoffe aus dem Gehirn, doch sie hält auch dringend erforderliche Medikamente fern.

Prof. Dr. Rolf Dermietzel (Neuroanatomie und Molekulare Hirnforschung, Medizinische Fakultät) ist diesem Selbstschutz-Mechanismus seit langem auf der Spur und hat jetzt in internationaler Kooperation das erste Handbuch zur Blut-Hirn-Schranke verfasst.

Das Handbuch verbindet grundlegendes Wissen mit dem aktuellen Stand der Forschung zur Blut-Hirn-Schranke: Es bezieht zelluläre und entwicklungsbiologische Aspekte ein und zeigt auf, wie die verschiedenen strukturellen und funktionellen Komponenten gemeinsam an der Regulierung von Gehirnperfusion und neuronalen Funktionen beteiligt sind. Dabei werden pharmakologische und biomedizinische Anwendungen in Abschnitten über Medikamenteinnahme und Gehirnerkrankungen ebenso behandelt wie die Rolle der Astrozyten als Bindeglied zwischen Blutgefäßen und Nervenzellen des Gehirns.

Ein umfassender Teil des Buches widmet sich neuen Methoden und Erkenntnissen, etwa wie Medikamente die Barriere passieren könnten oder der Möglichkeit, mithilfe der künstlichen Blut-Hirn-Schranke (Kulturschale) die sog. Schrankengängigkeit von Medikamenten zu testen. Darüber hinaus gehen die Autoren auf die Beziehung zwischen Blut-Hirn-Schranke und Hirnerkrankungen etwa durch Entzündungen oder neurodegenerative Störungen ein... [mehr]