Bei der Trichomoniasis handelt es sich um eine Infektion der Schleimhäute des Urogenitaltrakts, die durch den Flagellaten, Trichomonas (T.) vaginalis, verursacht wird. Die Trichomoniasis ist eine weltweit vorkommende sexuell übertragene Infektion, die eng mit der sexuellen Aktivität korreliert. Daher treten die meisten Infektionen bei Jugendlichen sowie jüngeren Erwachsenen auf. Sie gilt als wichtiger Erreger einer nicht-gonorrhoischen Urethritis.
Die Trichomonaden gehören zu den Protozoen. Sie sind begeißelt und lassen sich im Mikroskop als birnenförmige Strukturen einfach nachweisen. Außerhalb des Körpers sterben sie durch Austrocknung rasch ab. Eine normale Vaginalflora scheint eine Infektion mit T. vaginalis zu verhindern. Störungen des vaginalen pH-Wertes, des Glykogengehalts sowie der Residualflora ermöglichen eine Infektion mit diesem Protozoon. Oftmals findet sich dann ein vaginaler pH von >4,5. Neben T. vaginalis kommen beim Menschen noch eine apathogene Besiedlung des Darmes mit T. hominis sowie der Mundhöhle mit T. tenax vor.
14.12.2009 - Trichomonaden: wichtige Ursache einer nicht-gonorrhoischen Urethritis
Trichomoniasis: Übertragung auch durch nicht-gechlortes Bade- und Thermalwasser?
Die Übertragung der Trichomonaden erfolgt überwiegend durch sexuellen Kontakt mit einem infizierten Partner. Aufgrund der kurzen Überlebensdauer außerhalb des Körpers sind andere Übertragungswege, z. B. durch Waschutensilien, wenn auch selten, durchaus möglich. Weitere mögliche Ansteckungsquellen können Toilettenbrillen wie auch Saunen sein. Eine Übertragung der Trichomonaden durch nicht gechlortes Bade- oder Thermalwasser ist möglich.
Die Inkubationszeit beträgt 1 bis 3 Wochen. Etwa ein Viertel der Frauen ist asymptomatisch infiziert. Klinisch imponiert bei der Frau meist eine eher leichte Vaginitis mit einem charakteristischen dünnen, gelblich-grünlichen, übelriechenden Fluor. Typisch ist dabei ein fischiger Geruch des Fluors. Neben der Vagina kann zudem eine Urethritis mitbestehen. In diesen Fällen klagen die Patientinnen über eine Dys- und Pollakisurie.
Hingegen gilt eine Aszension ins Cavum uteri als eher unwahrscheinlich. Als gesichert gilt eine postpartale Endometritis. Beim Mann verläuft die Infektion in aller Regel asymptomatisch. Bei der Untersuchung des Urins zeigt sich eine sterile Leukozyturie. Bei einer Infektion in der Schwangerschaft besteht kein Risiko für den Feten. Der Nachweis des Erregers erfolgt im mikroskopisch nativ aus einem Urethral-, Vaginalabstrich, Vaginalfluor oder Urin. Typisch ist dabei die Beweglichkeit der Trichomonaden.
Je mehr Zeit zwischen der Abstrichentnahme bis zur Mikroskopie vergeht, umso mehr verringert sich die Trefferquote. Eine kulturelle Anzüchtung ist möglich, spielt aber bei der Routinediagnostik keine Rolle. In der Differenzialdiagnose sind eine vaginale Candidose sowie die bakterielle Vaginose auszuschließen. Als Therapie der Wahl gilt oral verabreichtes Metronidazol als Einzeldosis. Bei Therapieversagern sollte die Behandlung über mehrere Tage mit Metronidazol fortgesetzt werden. Eine Meldepflicht besteht für die Trichomoniasis nach dem Infektionsschutzgesetz nicht.
(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).
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