01.11.2009 - Berufsausbildung zum Logopäden/ zur Logopädin

Mit Geduld das Sprechen lehren - Erste Europäische Schule für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie - Teil 1

Konjunkturpakete, Rettungsschirme und Stellenabbau - welcher Beruf ist heutzutage überhaupt noch krisenfest? Das Gesundheitswesen gilt nach wie vor als Hoffnungsbranche auf dem Arbeitsmarkt. Mit der höheren Lebenserwartung, neuen Zivilisations- und Berufskrankheiten und vermehrter Umweltbelastung steigt auch die Nachfrage nach ärztlichen, medizinischen und pflegerischen Dienstleistungen.

Im Rahmen einer Ausbildungsoffensive stellt die Klinik Bavaria in einer Serie Gesundheitsberufe vor und steht auch als hochqualifizierter Ausbilder Rede und Antwort. Logopädie
(von griech. λόγος, logos = das Wort und παιδεύειν pä
deuein = erziehen) ist der 1913 erstmals benutzte und 1924 durch den Wiener Mediziner Emil Fröschels eingeführte Begriff für die Stimmheilkunde. Was jene erwartet, die den Beruf des Logopäden/ der Logopädin anstreben, welche Voraussetzungen man benötigt und welche Ausbildung in Frage kommt, beantwortet in dieser Folge Andreas Frädrich, Pressesprecher der Klinik Bavaria.

Berufsfachschule für Logopädie

Top-Magazin: Welche Herausforderungen bietet der Beruf des Logopäden bzw. der Logopädin?

Andreas Frädrich: Logopädie ist noch ein junges medizinisch-therapeutisches Fachgebiet, welches zum Gegenstand hat, Menschen mit eingeschränkten Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluckstörungen und/oder Hörbeeinträchtigungen zu behandeln. Die Logopädie beschäftigt sich in Theorie und Praxis mit Prävention, Beratung, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation, Lehre und Forschung auf den Gebieten der Stimme, Stimmstörungen und Stimmtherapie, des Sprechens, Sprechstörung und Sprechtherapie, der Sprache, Sprachstörung und Sprachtherapie sowie des Schluckens, Schluckstörung und Schlucktherapie.

Die Bereiche Stimme, Sprechen, Sprache hängen eng mit der Kommunikation zusammen. Kommunikation ist eine zentrale Größe für uns Menschen: Persönliche Beziehung, soziales Leben, schulischer und beruflicher Erfolg, also unsere Identität als Person hängt stark von den Fähigkeiten kommunizieren zu können ab.

Jeder Mensch ist einerseits in persönliche und soziale Kontexte eingebunden und hat andererseits eigene Vorstellungen über Lebensqualität und Gesundheit. So kann es sein, dass eine bestimmte Störung, zum Beispiel eine heisere Stimme, für den einen eine menschliche und berufliche Beeinträchtigung oder sogar Katastrophe darstellt (z. B. für einen Sänger, oder für mich als Pressesprecher), aber einen anderen nicht stört. Deshalb ist die entscheidende Frage nicht, ob ein bestimmtes Symptom vorliegt, sondern dieses Symptom den Betroffenen subjektiv daran hindert, seinen Alltag und sein Leben in der normalen Weise zu bewältigen.

Logopädische Maßnahmen umfassen das Erstellen einer Diagnose, Beratung und die Therapie von Störungen des Sprachverständnisses, der gesprochenen und geschriebenen Sprache, des Sprechens, der Atmung, der Stimme, der Mundfunktion, des Hörvermögens, des Schluckens und der Wahrnehmung. Die regelmäßige und ausführliche Beratung der Angehörigen (Eltern/Partner/Kinder) gehört vor allem bei Kindern und bei schwergestörten Erwachsenen zum Tätigkeitsfeld, da nur so eine Veränderung der Kommunikationsfähigkeit im Alltag erreicht werden kann.

Logopädische Probleme können Menschen in jedem Lebensalter treffen. Im frühkindlichen Bereich überwiegen die Behandlungen von Störungen der Sprachentwicklung auf den sprachlichen Ebenen Wortschatz, Grammatik, Phonologie und Schluckstörungen. Neben den expressiven Auffälligkeiten werden insbesondere auch Störungen des Sprachverständnisses behandelt. Während des Kindergartenalters und des Vorschulalters findet man gehäuft Probleme im Rahmen einer Sprachentwicklungsverzögerung bzw. -störung. Darunter fallen zum Beispiel Störungen des Satzbaus und Störungen der Wortflexion, reine Artikulationsstörung (Dyslalie), Auslassungen, Ersetzungen sowie Veränderungen einzelner Laute und Lautverbindungen (Phonologische Störung).

Logopäden behandeln u.a. Stottern, Poltern und Stimmstörungen. Bei Stimmstörungen handelt es sich um Erkrankungen im Bereich des Kehlkopfes, speziell der Stimmbänder. Sie können sich in Veränderungen des Stimmklanges und Einschränkungen der Leistungsfähigkeit der Stimme äußern.

Sprachstörungen sind gekennzeichnet durch Defizite im Sprechen, Verstehen, Lesen, Schreiben, die einzeln oder in Kombination auftreten können. Undeutliche, schwer verständliche Aussprache oder Störungen im Sprechablauf werden als Sprechstörungen bezeichnet. Logopäden behandeln Patienten mit Sprachstörungen nach einem Schlaganfall oder anderen neurologischen Beeinträchtigungen/ Unfallfolgen wie z.B. Aphasie, Sprechapraxie und/oder Schluckstörungen. Zu den charakteristischen Merkmalen von Schluckstörungen gehören Störungen bei der Nahrungsaufnahme ebenso wie bei der Beförderung von Speisen und Getränken zu den Verdauungsorganen.

Neuerdings behandeln Logopäden auch immer häufiger Kinder im Schulalter, die aufgrund einer früheren Sprachentwicklungsstörung als Folgesymptomatik Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb entwickeln (Schriftspracherwerbsstörung oder früher auch Legasthenie, LRS, Dyslexie, Dysgrafie). In Zusammenarbeit mit der Schlafmedizin ist ein neues Betätigungsfeld für die Logopädie entstanden, unter anderem in der Behandlung von Schnarchen und Schlafapnoen.

Top-Magazin: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um Logopädin bzw Logopäde zu werden?

Andreas Frädrich: Natürlich sollte man für den Beruf zunächst einmal geeignet sein. Das beinhaltet nicht nur, dass Aussprache, Sprachgebrauch und Grammatik gut sein müssen, auch das Gehör, Atmung und Körperhaltung sind wichtig. Außerdem sollte man natürlich gerne mit Menschen arbeiten und keine Berührungsängste haben und über ein gewisses Einfühlungsvermögen verfügen. Aber auch im sozialemotionalen Bereich sollte man gefestigt sein, da man als Logopäde mit schwierigen Schicksalen konfrontiert wird.

Bewerbungsvoraussetzungen sind üblicherweise stimmliche, sprecherische und sprachliche Eignung. Interesse an Deutsch, Sprachen, Musik, Biologie und Medizin ist sinnvoll. An Berufsfachschulen in Deutschland gilt als Zusatzvoraussetzung die mittlere Reife.

Mit Geduld das Sprechen lehren - Erste Europäische Schule für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie

Top-Magazin: Wo werden Logopäden ausgebildet?

Andreas Frädrich: Logopädie-Ausbildungen in Deutschland werden an Berufsfachschulen angeboten. Alle in Deutschland zugelassenen Schulen unterliegen der gleichen gesetzlichen Grundlage der Logopäden- Ausbildung- und Prüfungsordnung aus dem Jahre 1980. In den Niederlanden und auch in Belgien ist ein Studium möglich. In Deutschland handelt es sich um eine solide Berufsausbildung, nach der man aufbauend auch noch Lehr- und Forschungslogopädie als Master-Studiengang studieren kann. Bei der Wahl der Ausbildungsstätte sollte sehr genau darauf geachtet werden, dass die praktische Ausbildung zum größten Teil in einer geeigneten Einrichtung und unter intensiver Betreuung der Schule stattfindet.

An der Klinik Bavaria in der Schule für Logopädie bilden wir bereits seit 1993 "Staatlich anerkannte Logopäden" in einer 3-jährigen Fachschulausbildung aus, und zwar nach der"Logopädischen Ausbildungs- und Prüfungsordnung". Die Schule befindet sich direkt in der idyllisch gelegenen Klinik Bavaria Zscheckwitz (Ortsteil von Kreischa nahe bei Dresden) und bietet damit optimale Voraussetzungen für eine praxisnahe Ausbildung mit neurologischem Schwerpunkt. Unsere Studierenden haben durch die Anbindung der Schulen an die "Erste Private Medizinische Akademie für Rehabilitation Klinik Bavaria hervorragende Möglichkeiten, während der Praktika sämtliche Störungsbilder (auch sehr seltene) kennen und behandeln zu lernen. Dies geschieht unter ständiger Supervision durch ausgewählte Lehrlogopäden.

Durch eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen im europäischen Ausland haben unsere Auszubildenden Einblick in die jeweiligen Studienbedingungen der einzelnen Länder. Hochqualifizierte Fachlehrer und Fachärzte und die enge Anbindung an die Klinik garantieren eine hervorragende theoretische und praktische Ausbildung. Unser Ziel an der Klinik Bavaria ist es, die drei Berufsgruppen – Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie –schon während der Ausbildung an die multidisziplinäre Zusammenarbeit unter ganzheitlicher Betrachtung der Patienten heranzuführen. Uns zeichnet aus, die Auszubildenden in kleinen Klassen mit erweiterten Lehrplänen und Unterrichtsinhalten dem internationalen Niveau anzupassen. Zukünftige Arbeitgeber wissen diese umfangreichen Kenntnisse und Erfahrungen später sehr zu schätzen...

Top-Magazin: ... und wie vielversprechend sind tatsächlich die Zukunftsperspektiven für Logopäden?

Andreas Frädrich: Wir können bei allen Absolventen unserer Schule auf eine hervorragende Vermittlungsquote auf dem Arbeitsmarkt verweisen. Das besondere daran ist, nach der dreijährigen Fachschulausbildung einen verkürzten Bachelor-Studiengang zu belegen und anschließend einen Master zu absolvieren.

Die Tätigkeit des Logopäden erstreckt sich von der Arbeit auf Intensivstationen und Frühreha-Einrichtungen, über die Tätigkeit in Krankenhäusern und Reha-Kliniken bis hin zur Ausübung des Berufes in logopädischen Praxen (einschließlich der Betreuung von Pflegeeinrichtungen) und Therapiezentren. Ich finde die hohen Anforderungen fachlicher und therapeutischer Art spannend, aber auch die vielen abwechslungsreichen Möglichkeiten der Ausübung des Berufes durch das breite Spektrum, in dem Logopäden arbeiten. Logopädie ein weites Feld und es lohnt sich sehr, in möglichst viele Bereiche hinein zu schauen.

Offiziellen Angaben zufolge beträgt der Verdienst im Anstellungsverhältnis zwischen 1.900 und 3.000 € Brutto (Quelle: Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. - DBL; Stand: 09.07.09). Bei einem selbstständigen Logopäden oder einem Logopäden mit mehreren Angestelltenverhältnissen kann das monatliche Bruttoeinkommen höher liegen. Das Gehalt variiert abhängig von Bundesland, Alter, Ausbildungsweg und der Einrichtung (z.B. Kiga, Praxis) in der man arbeitet. Es beruht mitunter auch viel auf Verhandlungsbasis. Mit einer ärztlichen Verordnung kann über die gesetzliche Kasse abgerechnet werden.

Top-Magazin: Wie lange dauert die Ausbildung, und was beinhaltet der Stundenplan?

Andreas Frädrich: Die Ausbildung dauert 3 Jahre und umfasst mindestens 1.740 Stunden theoretischen Unterricht und 2.100 Stunden praktische Ausbildung. Die Ausbildung folgt den bundeseinheitlichen Rahmenlehrplänen und den Prüfungsordnungen für die jeweilige Ausbildungsrichtung und endet nach erfolgreicher Prüfung mit der staatlich anerkannten Berufserlaubnis.

Die theoretischen Grundlagen in den medizinischen Fächern werden von Ärzten unterrichtet. In den Bereichen Logopädie, Psychologie, Pädagogik, Sprach- und Sprechwissenschaften sind entsprechend spezialisierte Lehrkräfte der jeweiligen Fachgebiete im Einsatz. Damit wird eine hochwertige und qualifizierte Ausbildung gewährleistet. Außerdem werden zusätzlich Einführungsveranstaltungen in spezielle Behandlungstechniken durchgeführt.

Eine umfangreiche praktische Ausbildung mit sehr individueller Betreuung erhalten die Schüler u. a. in den Fachabteilungen der Klinik Bavaria und logopädischen Praxen im Großraum Dresden. Hier stehen ihnen erfahrene Therapeuten zur Seite, welche während der Therapien zuschauen und diese dann mit den Schülern nachbesprechen. Jeder Schüler betreut eigene Patienten mit unterschiedlichen Störungsbildern, so dass ein weitreichender Einblick in die logopädische Tätigkeit gegeben ist und fachlich fundierte Kenntnisse für die spätere berufliche Tätigkeit erworben werden. Diese langjährige Erfahrung und die hochwertige Ausbildung schaffen für unsere Absolventen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, auch im Ausland.

Viele Menschen haben den Eindruck, dass es bei Logopädie nur um Therapie von speziellen Störungen geht, da Logopädie in Deutschland ein Heilberuf ist, der in Einrichtungen des Gesundheitswesens oder in logopädische Praxen gebraucht wird. Im internationalen Vergleich zum Beispiel gegenüber den USA oder den Niederlanden zeigt sich in Deutschland ein breitgefächertes praxisorientiertes Spektrum der logopädischen Aufgaben und Tätigkeiten. Es ist uns auch ein Anliegen, in der Ausbildung unsere Studierenden in kleine Klassen auf internationales Niveau vorzubereiten.


Top-Magazin: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview erschien in "Top-Magazin Dresden/ Ostsachsen" - 4. TOP-Gesundheitsforum 2009

Linkhinweis: http://www.logopaedie-schule-kreischa.de
http://www.bavaria-schulen.de/schule.htm