15.01.2010 - Toxoplasmose: gefürchtet ist die konnatale Infektion

Infektionsgefahr durch Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch

Die Toxoplasmose ist weltweit verbreitet und gilt als eine häufige zoonotische Infektionskrankheit. Von besonderer Bedeutung ist die Infektion bei Schwangeren sowie immundefizienten Patienten. Im Gegensatz zu Frankreich und Österreich ist ein Screening in der Schwangerschaft nicht vorgeschrieben. Der Erreger, Toxoplasma gondii, gehört zu den Protozoen. Die geschlechtliche Fortpflanzung des Erregers findet nur im Darmepithel von Katzen und anderen Felidae statt, weshalb sie als Endwirt bezeichnet und für die Umwelt als infektiös angesehen werden können. Nach oraler Erstinfektion scheiden Katzen nach einer Präpatenz von 4 bis 5 Tagen bis zu mehrere Millionen Parasiten in Form vom Oozysten mit dem Kot aus.

Die Übertragung der Toxoplasmen erfolgt durch perorale Aufnahme der Oozysten und Zysten. Ansteckungen sind auch beim Abschmecken von unzureichend gegartem oder rohem Fleisch (z. B. Hackepeter, Mett, Gulasch) möglich. Von Bedeutung ist die diaplazentare Übertragung mit der Gefahr einer pränatalen Infektion.

Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 3 Wochen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Bei immunologisch gesunden Personen verläuft die akute Toxoplasmose meist asymptomatisch. Es kommt zu einer leichten Allgemeinsymptomatik, Kopfschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit und abdominellen Schmerzen. Typisch sind die zervikonuchalen Lymphknotenschwellungen.

Bei Immundefizienten, wie Patienten mit HIV/ AIDS kommt es insbesondere zum zerebralen Befall. Durch die heute verfügbare HAART-Therapie sind Fälle an HIV-assoziierter zerebraler Toxoplasmose heute seltener geworden. Bei Personen mit Organtransplantation gilt die Toxoplasmose als gefürchtete Komplikation. Die Diagnose einer Toxoplasmose erfolgt durch den Nachweis spezifischer Antikörper. Hierfür stehen mehrere verschiedene Testverfahren zur Verfügung. Für bestimmte Fragestellungen, wie z. B. bei Verdacht auf eine intrauterine Toxoplasmose, stehen zudem PCR zur Verfügung.

Die Therapie der Toxoplasmose erfolgt mit Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folsäure. Bei HIV-positiven Patienten wird Trimethoprim/ Sulfamethoxazol erfolgreich als Primärprophylaxe eingesetzt. Zur Behandlung von Schwangeren wird Spiramycin bis zur 16. Schwangerschaftswoche (SSW) eingesetzt. Ab der 16. SSW wird infizierten Schwangeren Pyrimethamin und Sulfadiazin zur Behandlung gegeben.

Nach dem Infektionsschutzgesetz §7, Abs. 3 ist der direkte oder indirekte Nachweis einer konnatalen Infektion nichtnamentlich meldepflichtig. Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung einer Toxoplasmose ist die Expositionsprophylaxe. Dies umfasst die Vermeidung von Kontakt zu Katzenkot, ausreichendes Waschen von Gemüse und Obst sowie Händewaschen nach der Zubereitung von Fleisch. Auch der Verzehr von nicht-pasteurisierten Schaf- oder Ziegenmilchprodukten birgt die Gefahr einer Toxoplasmose. Besonders wichtig ist zudem das Vermeiden des Verzehrs von unzureichend erhitztem Fleisch.


Über den Schutz vor Infektionen mit Toxoplasmen informiert ein neues Merkblatt des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Das Merkblatt "Schutz vor Toxoplasmose" richtet sich an Verbraucher
und Multiplikatoren: http://www.bfr.bund.de/cm/238/verbrauchertipps_schutz_vor_toxoplasmose.pdf

(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

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